Muss ich nun einen großen Bogen um Menschen herum machen /

Diese Woche habe ich mich sehr viel mit einer Frage innerhalb des Bereiches Straßenfotografie beschäftig: ob und wie sehr ich aufpassen muss, wenn ich in Berlin, London oder sonst wo unterwegs bin, um zu fotografieren. Anlass war dieser Artikel auf Deutschlandradio Kultur: http://www.deutschlandradiokultur.de/frage-des-tages-darf-man-einfach-jeden-ungefragt

Hier geht um einen Fotografen, ein Urteil und das Recht am eigenen Bild. Eine Frau hatte gegen den Fotografen geklagt und wollte Schmerzensgeld, da besagter Fotograf ein Bild, das er von ihr gemacht hat, in einer Ausstellung im c/o gezeigt hatte. Das Bild ist im Rahmen der sogenannten Straßenfotografie entstanden, deren Thema Alltagsszenen in der Stadt, Land usw. ist. Hierbei werden Passanten, Fahrzeuge usw. abgelichtet, historische Beispiele sind u.a. Henri Cartier Bresson.

 

Das Gesetz sagt (kurz zusammengefasst):

  • Jeder Mensch hat das Recht am eigenen Bild und das umfasst Fotografien, Zeichnungen.
  • Veröffentlicht werden darf nur, wenn der Fotografierte damit einverstanden ist.
  • Aber es gibt Ausnahmen:

a) Bilder aus dem Bereich der Zeitgeschichte
b) Bilder, auf denen die Person nur als Beiwerk erscheint
c) Bilder von Versammlungen und Aufzügen
d) Bilder nicht auf Bestellung angefertigt wurden und die Verbreitung einem höheren Interesse der Kunst dient.

Der Richter gab der Klägerin recht, das ihre Persönlichkeitsrechte verletzt wurden und das der Fotograf das Bild nicht mehr öffentlich zeigen darf. Nun sieht der Fotograf das Genre der Straßenfotografie als Kunstform in Gefahr.

Aufgrund dieses Artikels und der Diskussionen zu diesem Thema habe ich viel über den Unterpunkt b) Personen auf Bildern als Beiwerk … nachgedacht.

 

Personen als Beiwerk in der Straßenfotografie

Ab wann ist eine Person ein Beiwerk, gibt es dazu Regeln? Was muss ich beachten, wenn ich das nächste Mal in Berlin unterwegs bin. Denn nur weil ich vielleicht denke „ach, ich habe doch einen ganz anderen Fokus im Bild“ heißt das ja noch längst nicht, das die Person, die vielleicht mit abgelichtet wurde genauso denkt.

View over Trafalgar Square / London - Straßenphotographie
View over Trafalgar Square / London

Was ist, wenn ich in einer Menschenmenge eine Person im Fokus habe, weil es zu einer Inszenierung im öffentlichen Raum gehört, aber andere Personen auch mit drauf sind?

Ich finde diese Unterscheidung ist ein ganz schmaler Grad. Es bedarf vieler konstruktiver Diskussionen und muss vor allem im Einzelfall, von Bild zu Bild entschieden werden. Hierbei kann man nichts, wie viele Medien es so gerne tun, generalisieren.

Was aber nicht heißen soll, dass nun jeder gleich zum Anwalt rennen, eine teure Abmahnung verfassen und die Gerichte bemühen sollte, alles muss sein Maß haben. Oft reicht es ja schon, mal mit dem Photographen zu reden, ihm zu sagen, „nimm bitte das Bild aus der Ausstellung, von der Homepage usw.“ Kommunikation ist das Zauberwort.

Ich würde es jedenfalls so machen …

 

Wo fängt Kunst an?

Der nächste Punkt der zu Diskussionen führt ist, wo fängt Kunst an, was ist an Straßenfotografie Kunst, welche Ästhetik muss ein Foto haben, das auf der Straße aufgenommen wurde. Jeder Mensch hat auch hier eine eigene Meinung, wo Kunst anfängt und wo sie aufhört. Das Verständnis für Kunst ist eine persönliche Sache und kann meiner Meinung nach nur bedingt in Regeln gefasst werden. Auch hier denke ich, dass man darüber reden sollte, nicht einfach ab- und verurteilen.

Kommunikation ist einfach das Wichtigste. Man muss über Kunst diskutieren, argumentieren, streiten, sich unterschiedliche Meinungen anhören und gelten lassen. Das sind aber Abläufen die sich nicht in einer Schlagzeile oder einem Tweed abhandeln lassen. Dafür muss man sich Zeit nehmen, sich persönlich zusammensetzen. Darin sehe ich das größte Problem, dafür hat niemand mehr Zeit.

 

p.s. wer Schreib-, Grammatik oder Kommafehler findet, darf sie behalten.

 

 

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