Entering „the forbidden zone“ / Schaubühne – Berlin

Zahlreichen Empfehlungen folgend, bin ich gestern in die Schaubühne, in das Stück „The Forbidden Zone“ von Ducan MacMillan, Regie: Katie Mitchell ansehen. Wo der Name Katie Mitchell draufsteht, da ist viel, fast nur Video und recht wenig von dem Theater drin, was so das klassische Theater ausmacht. Das ist ihr Stil. Sowie bei Herbert Fritsch überzeichnete Figuren und recht körperliches Theater stattfindet, sieht man bei Katie Mitchell eine Live-Video-Aufzeichnung des Theaterspiels. Ich kenne ihren Arbeitsstil, da ich vor Jahre am selben Haus schon Fräulein Julie (A. Strindberg) von ihr gesehen habe.

 

Das Stück „The Forbidden Zone“

eine interessante Collage von Schriften von Virginia Woolf, Hannah Arendt, Simone de Beauvoir und den autobiografischen Schriften von Mary Bordens. Das zentrale Thema umkreist die Erfahrungen von Frauen im 1. und 2. Weltkrieg, die oft in den Hintergrund geraten, wenn es um Gedenkfeiern und Ähnliches geht.

Protagonistinnen sind die Chemikerin Clara Immerwahr und deren Enkelin Claire Haber sowie die Krankenschwester Mary Bordens, die im 1. Weltkrieg in Frankreich ein Front Hospital betrieben hat.

Clara Immerwahr, wollte den Gebrauch von chemischen Kampfstoffen (Chlorgas usw.), an deren Erforschung ihr Ehemann beteiligt war, verhindern und scheitert daran. Das „Familien-Erbe“, an der Vernichtung zahlreicher Menschen direkt und indirekt beteiligt gewesen zu sein, bringt auch die Enkelin Claire Haber am ende um.

Die Geschichte dieser Frauen wird sehr eindrücklich in Texten, Zitaten und Dialogen auf Deutsch und Englisch, immer mit Untertiteln erzählt. Man kann sich dem Inhalt und dem Text nicht entziehen und fängt an über die Verantwortung von zweckgebundener Forschung und Entwicklung nachzudenken.

 

Der Stil

Für alle, denen der Stil von Katie Mitchell nichts sagt, hier eine kurze Erklärung. Bei Katie Mitchell sind mehrere Bühnenräume gleichzeitig aufgebaut, so waren auch hier ein Eisenbahnwaggon, ein Arbeitszimmer, mehrere Laborräume, eine Toilette und ein Lazarettzimmer aufgebaut, wie an einem Filmset. Denn dies ist keine Bühnen für reines Schauspiel, bei dem der Zuschauer direkt sehen kann, was der Schauspieler spielt. Nein es sind mehrere Kamera-Teams zusätzlich zu den Schauspielern auf der Bühne unterwegs, die selbige filmen. Manche Räume sind auch nur teilweise oder gar nicht für den Zuschauer einsehbar oder durch Kamera und Kameramann in der Sicht blockiert. Das, was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist auf einer großen Leinwand eine Videoprojektion des Geschehens, des Stückes. Man könnte auch sagen, als Zuschauer ist man bei der Live-Verfilmung des Stückes „The Forbidden Zone“ mit Live-Videoschnitt durch einen Regisseur dabei. Alles folgt dabei einer präzisen Choreographie und Schnittregie.

 

Kritik

Genau da setzt auch meine Kritik an. Dieser Art von Theater-Inszenierung, mit Schnittregie bzw. dem Live-Videoschnitt, er lenkt mich als Zuschauer. Es sagt mir, was ich zu sehen bekomme. Beim Film für mich völlig okay, beim Theater habe ich aber eine andere Erwartungshaltung. Ich  möchte als Zuschauer selber meinen Fokus setzen, ich möchte die Schauspieler direkt sehen. Dieses für mich zwischen geschaltete Medium Film, schafft eine Distanz zu dem, was da unten auf der Bühne passiert, eine Distanz, die mir das „Mitfühlen“ im Sinne von Lessing nicht ermöglicht. Die ganze Meta-Ebene, die Kommunikation zwischen Schauspieler und Zuschauer von der Theater u.a. lebt, wird hier blockiert. Trotz der eindrücklichen Texte und dem bewegenden Inhalt hat mich das Geschehen auf der Bühne kalt gelassen. Ich sehe und verstehe die Idee, es ist toll umgesetzt, aber es berührt mich nicht … was ich sehr schade fand.

Ich will mich nicht generell gegen Video im Theater aussprechen, nur es zum Grundprinzip der Inszenierung zu machen, ist einfach nicht meine Sache und so ging ich mit sehr gemischten Gefühlen aus „The Forbidden Zone“ nach Hause.

 

Weitere Kritiken:
Nachtkritik
Berliner Zeitung
Deutschland Funk

 

p.s. wer Schreib-, Grammatik oder Kommafehler findet, darf sie behalten oder mir eine Korrekturfassung gerne zusenden.

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