Theatertreffen 2015 / Haus der Berliner Festspiele – Berlin

Das Theatertreffen 2015

war für mich sehr theaterintensiv. Ich bin durch Zufall und Glück über einen guten Freund an 4 Karten für das Theatertreffen 2015 – ja auch Baal war dabei – gekommen.

 

Vorabberichte

Es gab ja schon im Vorfeld so einige hohe Wellen. Unter anderem hat ein Teil der Jury erklärt, dass das Theater in der Provinz nicht gut genug wäre, um begutachtet zu werden. Die Folge sei, dass meist nur Stücke von großen Häusern wie dem Thalia, dem Residenztheater oder der Burg in Wien zu den 10 bemerkenswertesten eines Jahrganges gehören. Man kann dies nun arrogant finden oder nicht. Per se hat aber eine Jury das Recht, eigene Maßstäbe zu definieren, nach denen sie urteilen will. Ob diese Maßstäbe höflich und fair sind, steht auf einem anderen Blatt – darüber kann und sollte man diskutieren.

Ob nun in der Provinz oder an den „großen“ Häusern gutes Theater gemacht wird, das kann jeder selber beurteilen, in dem er sich Stücke ansieht. Geld ist im Theaterbetrieb wichtig und „große“ Häuser haben mehr als kleine. Mit viel Geld wurde aber auch schon viel Schrott produziert und kleine Produktionen können einen buchstäblich umhauen.

 

Baal-Verbot

Die zweite Welle war das Verbot und die Einladung, der Castorf Inszenierung „Baal“ (Münchner Residenztheater) zum Theatertreffen. Die Brecht-Erbin Barbara Brecht-Schall hat, aufgrund von zu vielen Fremdtexten, die Integrität des Werkes ihres Vaters in Gefahr gesehen. Dem Residenztheater wurden die Aufführungsrechte entzogen. Es kam zu einer Gerichtsverhandlung mit dem Ergebnis: Diese Inszenierung darf noch zweimal gezeigt werden – einmal in München und einmal beim Theatertreffen am 17.05. Die Karten waren innerhalb von Minuten weg … jeder wollte das verbotene Stück sehen.

 

Die Schutzbefohlenen

Den Anfang machte bei der Eröffnungsveranstaltung „Die Schutzbefohlenen“ von Elfriede Jelinek, vom Thalia Theater, Hamburg in der Regie von Nicolas Steman. Auch dieses Stück brachte am ersten Abend den ersten kleineren Skandal. Der Intendant Carvalho Wagner (Ballhaus Naunystraße), verließ die Vorstellung, nachdem sich Schauspieler schwarze Farbe ins Gesicht schmierten (Blackfacing). Nun, wenn sich ein Mensch durch das, was er sieht, beleidigt fühlt, dann ist das so. Man kann niemanden zwingen, etwas Bestimmtes zu fühlen. Ich wünschte nur Herr Wagner wäre etwas länger geblieben, dann hätte er gesehen, dass der Einsatz von Blackfacing als Stilmittel verwendet wurde, um auf Vorurteile hinzuweisen und nicht um sie zu fördern.

Das Thema – Die Situation der Flüchtlinge in Europa, ein sehr eindrücklicher Text. Auch die Idee, Flüchtlinge selber sprechen zu lassen, sowie eine nachbereitende Diskussionsrunde anzubieten, bei der man das Team und Flüchtlinge befragen und mit ihnen diskutieren konnte, war sehr gut. Allerdings fand ich die Inszenierung nicht rund, irgendwas fehlte mir. Alles wirkte sehr holzschnittartig und grob ausgearbeitet.

Aber das soll nicht die Brisanz und die Bedeutung schmäler, die dies Stück in der heutigen Zeit hat.

 

Warum läuft Herr R. Amok

Als Nächstes stand dann beim Theatertreffen 2015 am 03.05. „Warum läuft Herr R. Amok“ nach dem Film von Rainer Werner Fassbinder und Michael Fengler, Münchner Kammerspiele in der Regie von Susanne Kennedy, an.

Was soll ich sagen, Fassbinder Filme sagen mir nicht viel, aber die Umsetzung auf der Bühne war einfach klasse. Die Reduzierung, die Arbeit mit den Silikonmasken, die alles eingefroren haben, was an Mimik und Emotion transportierbar ist, toll. Auch die klare Struktur und die Gesamteästhetik habe, um zu erzählen warum Herr R. Amok läuft, für mich gestimmt.

Dann gab / gibt es erst einmal Pause bis zu dem … Tag, an dem ich Zeit finde, weiter zu schreiben. Es stehen noch „Das Fest“ aus dem Schauspielhaus Stuttgart (Christopher Rüping)  und „Baal“ aus dem Residenztheater (Frank Castorf) auf dem Plan … zu letzterem sei nur gesagt … Rock ´n Roll

 

p.s. wer Schreib-, Grammatik oder Kommafehler findet, darf sie behalten oder mir eine Korrekturfassung gerne zusenden.

 

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