Ich ärgre mich nicht; Ärger ist ungesund, ist unwissenschaftlich / Woyzeck / Berliner Ensemble – Berlin

Nach dem ich schon den Hamlet von Leander Haußman am Berliner Ensemble gesehen habe, wollte ich nun auch die in der Kritik besser weggekommene Inszenierung von Woyzeck (G. Büchner) sehen. Ich wurde nicht enttäuscht. Ich kann diese Inszenierung am BE nur empfehlen (und das kommt nicht häufig vor, wenn es um Stücke am BE geht)

 

Das Stück Woyzeck

an sich ist für Regisseure ein Traum, eine Spielwiese. Es liegt nur in Fragmenten und einzelnen Szenen vor, von denen man nicht wirklich zu 100% weis, in welcher Reihenfolge gedacht waren. Wahrscheinlich ist es auch deshalb eines der meistgespielten Stücke im deutschsprachigen Raum. Man kann einfach so viele unterschiedliche Versionen und Interpretationen spielen. Der Tod Büchners beendete die Arbeit an diesem Stück über den Soldaten Woyzeck, der ein historisches Vorbild hatte und sich inhaltlich noch anderer historischer Quellen bedient. So gab es damals wirklich Experimente an Menschen mit Erbsenbrei, die zu starken körperlichen und psychischen Beschwerden führten.

 

Das Bühnenbild lebte

im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Haußmann nutze einen rund 30-köpfigen Chor aus echten Soldaten als Statistenmasse und Bühnenbild zugleich, das beeindruckt. Alleine die körperliche Präsenz und Akustik von 30 Personen, die im Gleichschritt gehen oder im Takt zu „My wild Love“ ( The Doors) stampfen, geht nahe. Die Soldaten bilden mal eine Zeltstadt, eine Mauer oder mit Tarnnetzen und Gras behangen eine hügelige Wiese in der Woyzeck letztendlich seine Marie umbringt.

 

Die Inszenierung

ist sehr eigen. Die Schauspieler, allen voran der Darsteller des Woyzeck (Peter Miklusz), geben alles und sind sehr gut. Er zeigt die Geschichte eines unsicheren und überforderten Menschen, der am Ende mit nichts mehr da steht. Zu viel oder zu tiefe Psychologie darf man nicht erwarten, dazu ist auch die Bühne im Berliner Ensemble zu groß.

 

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Nachtkritik

 

p.s. wer Schreib-, Grammatik oder Kommafehler findet, darf sie behalten oder mir eine Korrekturfassung gerne zusenden.

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